HDR-Technik

Was dahinter steckt

Die Belichtungsreihe (bracketing)

Bei JPEG-Bildern sollten mindestens 2EV, bei RAW-Bildern 3EV zur Belichtungskorrektur eingestellt werden. Gerade bei großen Belichtungsunterschieden kann das Ergebnis ganz gravierend von der Einzelaufnahme abweichen. Natürlich gibt es auch "normale" Szenerien, die mit einer Einzelaufnahme eher zu unbefriedigenden Ergebnissen führen - wie etwa ein spektakulärer Wolkenhimmel. Meistens ist man vom Ergebnis der Aufnahme eher enttäuscht.

3 Aufnahmen +/- 2EV

Als Beispiel habe ich einen doch relativ spektakulären Wolkenhimmel vor einem Gewitter aufgenommen. Die Einzelnen Aufnahmen sind jeweils 2EV von einander entfernt, wobei das mittlere Bild jenem Ergebnis entspricht was eine Einzelaufnahme gebracht hätte. Die Serie ist aus der Hand geschossen, die geringe Pixelverschiebungen - auch bei einer noch so ruhigen Hand - sind in der HDR-Software leicht zu eliminieren.

- 2EV
+/- 0EV
+ 2EV

Zur Bearbeitung habe ich in diesem Fall FDRtools verwendet. Die Software bietet 3 unterschiedliche Verfahren an, die auch schon in den Standardeinstellungen professionelle Ergebnisse liefern.

Die Ergebnisse können natürlich noch weiter verbessert werden indem man diverse Parameter (Kontrast, Kompression, Diagrammanpassung etc.) verändert und den für sich besten Effekt aus dem Material herausholt. Bei diesem Beispiel habe ich bewußt nur die Standardeinstellungen verwendet.

Jeder sollte für sich selber entscheiden, wie weit er bei den Effekten gehen will - etwas mehr, etwas weinger - aber man bedenke immer: Das Bild sollte trotzdem natürlich bleiben.

FDRtools, Modus Simplex
FDRtools, Modus Receptor
FDRtools, Modus Compressor

Stabile Verhältnisse

Wenn ein stabiles Stativ für die Belichtungsreihe verwendet wird und eine Draht- oder Funkfernbedienung vorhanden ist, können ohne weiteres 5 Aufnahmen gemacht werden - mehr Fotos = mehr Abstufungsvariation in den Aufnahmen! Allerdings sparen weniger Bilder Speicherplatz, Rechenzeit und natürlich auch die Abnutzung der Kamera. Weniger Bilder bedeuten aber auch eine einfachere Handhabung von bewegten Objekten.

Diese Empfehlungen bringen auf jeden Fall gute Ergebnisse. Unter bestimmten Verhältnissen kann es aber erforderlich sein, noch größere Abstände als 2EV bzw. 3EV einzustellen. Bei Gebäudeaufnahmen mit Tageslicht aber harten Kontrasten zwischen Sonne und Schatten kann es durchaus notwendig werden, für JPEG-Bilder bis zu 4 EV, bei RAW-Bildern bis zu 6 EV einzustellen. Das dunkelste Bild sollte jedoch noch immer nicht verrauscht sein. Viele Kameras bieten die Möglichkeit, Belichtungsreihen in unterschiedlichen Abständen aufzunehmen. Viele Sony-Kameras haben deshalb 1/3EV, 1/2EV, 2/3EV zu 3 0der 5 Aufnahmen, die höherwertigen Modelle bieten zusätzlich 2EV und 3EV mit 3 Aufnahmen an. Dieser Modus reicht in der Regel für Tageslichtaufnahmen aus, denn im Prinzip geht es nicht genau um den einzelnen EV-Schritt sondern um den Gesamtumfang der HDR-Komposition und der Umfang von 4 bis 6EV ist dadurch sichergestellt! Für Nachtaufnahmen muss man ohnehin zu einer anderen Methode greifen, da meistens die längste Belichtungszeit mehr als 30 Sekunden beträgt - mehr also, als ohne BULB einstellbar ist.

Hat man die Möglichkeit, die Belichtungsreihe computergesteuert ausführen zu lassen - was ohnehin der komfortabelste Weg ist - kann man ohne weiteres 9 oder auch 13 Aufnahmen mit jeweils 1EV erzeugen lassen. Das sind dann +/-4EV oder +/-6EV was dann schon hervorragende Ergebnisse bringt! Diese hohe Anzal an Aufnahmen ist jedoch nicht mehr sinnvoll. Genauere Experimente haben mir gezeigt, dass es bei einem Gesamtumfang von 12EV auch andere Wege gibt. So ist es vollkommen ausreichend, 7 Aufnahmen mit 2EV oder 5 Aufnahmen mit je 3EV Abstand (das sind jeweils 12EV Gesamtumfang) zu machen. Kritiker meinen, diese Abstände seien zu groß, da Zwischeninformationen fehlen. Dabei wird aber vergessen, dass sich die Kamera selber diese Zwischeninformationen sucht - schließlich kommt auch noch der Kamera-interne Dynamikumfang von 10, 11, 12EV oder mehr hinzu, so dass sich die Informationen in den einzelnen Aufnahmen schon sehr weit überlappen. Theoretisch würde ein EV-Abstand in der Höhe des halben EV-Umfanges der Kamera genügen, aber woher soll man diesen genauen Wert holen?

Wenn eine Kamera also 12EV Eigendynamik hat und man macht Aufnahmen mit 6EV Abstand, ist mit Sicherheit jeder Wert im Dynamikumfang in zwei Aufnahmen vorhanden. Mit 3EV Abstand kommt jeder Helligkeitswert bereits 4 mal vor!